Mobile, Responsive oder App – Mariano Glas im Experteninterview

Mariano Glas ist Inhaber und Chefredakteur beim Onlineportal Seríenjunkies.de, dem großen deutschen Fachportal für TV-Serien und Fernsehwirtschaft im Allgemeinen. Weiterhin ist er Berater, Trainer, Referent zum Thema App-Store-Optimierung (ASO). Zu seinen Spezialgebieten gehören weiterhin Apps im Allgemeinen, Online Marketing, Technisches SEO. Außerdem beschäftigt er sich mit dem Thema Datenanalyse. Hierzu wurde mit der Firma StreamDrill und der TU Berlin das Projekt SerienRadar gegründet. Dabei werden große Datenmengen aus sozialen Netzwerken im Zusammenhang mit TV-Serien analysiert.

Im Experteninterview steht uns Mariano Rede und Antwort zum Thema, wann Mobile-Apps für Online-Händler sinnvoll sind und was es nach dem Launch alles zu beachten gilt.

Viel Spaß beim Lesen eines spannenden Interviews.

 

Onlineshops.de: Magst Du Dich kurz vorstellen?

Mariano GlasBildquelle:
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Mein Name ist Mariano Glas. Ich bin Gründer und Inhaber von Serienjunkies.de dem großen deutschen Portal über Fernsehserien und die deutsche TV-Wirtschaft im Allgemeinen. Das Portal wurde 2003 gegründet. Seit einigen Jahren beschäftige ich mich mit der Programmierung von Apps für iOS und Android. Um das Ranking der Apps in den App-Stores von Apple und Google besser verstehen zu können, habe ich mich mit dem Thema App-Store-Optimierung beschäftigt. Mittlerweile ist daraus ein Business geworden. 

Onlineshops.de: Mit Mobile-Apps können Kunden bequem überall online einkaufen. Reicht für einen Online-Shopping nicht eine responsive Webseite oder eine mobile Version aus? Oder anders gefragt, wann braucht mein Online-Shop eine Mobile-App?

Der Online-Shop benötigt dann eine App, wenn der Kunde dort erreicht werden soll, wo er Geld ausgeben will: Zuhause auf der Couch. Nun könnte man argumentieren, dass dazu auch eine mobile Seite reichen könnte. Doch einige Techniken wie Push Notifications oder 360-Grad-Videos lassen sich, wenn überhaupt, nur mit hohem Aufwand realisieren. Eine gut programmierte App bietet diese Features und noch viel mehr. 

Onlineshops.de: Was sollten Shopbetreiber beachten, wenn sie sich für eine responsive Webseite oder eine mobile Version vom Online-Shops entscheiden?

Gerade bei responsive Websites wird von Agenturen ein unheimlicher Aufwand betrieben, den Kunden zufrieden zu stellen und zu zeigen, dass die Website auf allen möglichen Größen und Devices funktioniert. Vor der Abnahme der Agentur-Leistung sollte sich der Betreiber mit einem Spezialisten für Website-Speed zusammen setzen und schauen, ob durch den responsive Code sein Shop nicht sogar langsamer geworden ist. Es ist ohne weiteres möglich, einen Shop responsive und schnell zu betreiben. Dazu gehört aber zweifelsohne ein hoher Aufwand an Programmier- und Grafikdienstleistung.

Onlineshops.de: Was sind die Herausforderungen bei Shopping Apps?

Ganz klar der Datenschutz. Ich habe manchmal den Eindruck, die Endkunden kümmern sich zu wenig um den Datenschutz auf ihren Smartphones und Tablets. Auch Händler sollten hier den Endkunden aufklären. 
Außerdem nutzen, Untersuchungen zufolge, nur 50% aller App-Betreiber irgendeine Art von Analyse-Software. Dabei ist es gerade bei unterschiedlichen Devices und Auflösungen wichtig, dass herausgefunden wird, wie ein Sale zustande kommt und woran es scheitern könnte. Sind diese Daten nicht vorhanden, entscheidet das Bauchgefühl. Vielleicht liegt man damit ja richtig, doch Zahlen lügen nicht.

Onlineshops.de: Für welche Art von Online-Shops lohnen sich native Apps?

Definitiv für Apps, die etwas zu verkaufen haben, was einer besonderen Erklärung bedarf. Warenbedarf der mittels 360-Grad-Video dem Endkunden schmackhaft gemacht wird. Aber auch Bekleidung und Schuhe. Man kann doch Schuhe oder Bekleidung direkt am Smartphone über sein eigenes Foto abbilden. Oder Schuhe „virtuell“ vor dem Spiegel zu verschiedenen Bekleidungsstücken anprobieren. Außerdem eignen sich Apps, Produkte aus dem Erotik-Handel zu vertreiben. Wer bestellt diese schon online vom Schreibtisch im Büro?

Onlineshops.de: Es gibt ja einige Anbieter, die eine Shopping-App anbieten. Was hältst Du von den Angeboten?

Wenn es eine individuelle App auf den Shop zugeschnitten ist, wird der Endkunde sie auch gern installieren und nutzen. Eine Einheits-App, die für alle möglichen Shops funktioniert, will niemand gern nutzen. Da ist es dann Mittel zum Zweck. Dann kann man dem Endkunden aber auch gleich eine mobile oder responsive Version seiner Website anbieten. Einheitswaren schrecken Endkunden ab.

Onlineshops.de: Wenn ich mich als Online-Shop Betreiber für die Erstellung einer eigenen App entschieden habe, was muss ich bei der Planung und Erstellung beachten?

Das Schlagwort heißt hier „Planung“. Ohne eine anständige Planung wird das Abenteuer „App-Erstellung“ zu einem Desaster mit Ansage. Bei der Erstellung ist es wichtig die App, gerade bei Android, auf vielen Geräten zu testen oder testen zu lassen. Funktionell unterscheiden sich die Apps nicht (das sollten sie wirklich nicht tun). Da aber der Android-Markt so fragmentiert ist, kann das testen der App auf nur 50% des Marktes schon einen großen Teil des Test-Budgets verschlingen. Außerdem ist es bereits im Vorfeld wichtig, sich mit ASO (App-Store-Optimierung) zu beschäftigen. 

Onlineshops.de: Du sprichst hier das Thema ASO an. Kannst Du das bitte erläutern und erklären, worauf man achten sollte?

Nur weil Sie die App kennen, tut das der Endkunde noch nicht. Er findet ihre App vielleicht mit Glück über einen Link in ihrem Shop. Es klingt vielleicht profan, aber es gibt genügend Shops, die eine Shopping-App haben, es aber niemanden sagen. Wozu wurde dann eine App entwickelt. Teilen Sie Ihren Kunden mit, dass sie extra für Sie eine App entwickelt haben. 
Beleidigen Sie bitte niemals den Endkunden mit einer App-Beschreiben „Mit dieser App können sie beim XY Shop einkaufen“. Das weiß der Kunde doch längst. 
Und vergessen Sie auch nicht, dass das Einkaufen mittels App bei Ihnen für den Kunden ein visuelles Erlebnis sein muss. Dabei geht es nicht nur um Aussehen der App oder tolle Produktbilder – ein ausgefeiltes UX-Design kann Abverkäufe in ihrem Shop steigern. Sie müssen es dem Kunden so einfach wie möglich machen, Geld auszugeben. 
Ein Tipp, den ich meinen Kunden gern mit auf den Weg gebe: Machen Sie ihre Artikel share-bar. Ein Artikel, der von Freunden empfohlen wird, verkauft sich unter Umständen viel besser. Überlegen sie doch einmal wie es bei sich selbst ist: Kaufen Sie die neue Spule für die Angelroute, weil sie sie brauchen, oder weil ihr Angelkumpel ihnen per Nachricht mitgeteilt hat, wie toll die neue Rolle ist und wie viele Drills er schon gewinnen konnte.

Onlineshops.de: Wie und welche KPIs sollte ich definieren, um die Erfolge einer App zu messen?

Messen Sie zunächst die Downloads und Retension-Rate der App. Beim Abverkauf über die App sollten Sie Ihre Kunden richtig kennenlernen. Tracken Sie Betriebssystem, Device und Auflösung. So erhalten Sie ein Gespür, mit welchen Geräten und welcher Auflösung Kunden gern bei ihnen einkaufen und welche Warenkorb-Umsätze erreicht werden. Im nächsten Schritt sollte dann eine Analyse der Abbrüche erfolgen. Warum wurde der Warenkorb nicht weiter befüllt? Gibt es ein Problem bei der Artikel/Warenkorb-Anzeige.

Onlineshops.de: Kannst Du uns Deiner Meinung nach gelungene Shopping-Apps nennen?

Die App von kleinwild.de ist eine sehr gute App, wenn es um Kinderbekleidung geht. Seit der Version 3 ist die Zalando-App auch hervorragend geeignet um Geld auszugeben. Auf dem Weg ins Büro kann man auch prima Kaffee mit der Tchibo-App bestellen. 

 

Vielen Dank für das Interview, Mariano.

www.serienjunkies.de
www.xing.com/profile/Mariano_Glas

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