Mobile Payment scheint der Inbegriff der Online-Trends zu sein. Bereits seit Jahren wird dem Thema der große Boom vorausgesagt. Doch sprechen die Zahlen bisher noch eine deutliche Sprache: 2012 führte die Unternehmensberatung Accenture eine Umfrage durch, die ergab, dass kaum 11 Prozent der Handynutzer Mobile Payment-Dienstleistungen in Anspruch nehmen. Rund zwei Drittel taten sogar ihr Desinteresse an der Nutzung solcher Dienste kund. Einfach wird die Einführung von Mobile Payment in Deutschland daher sicherlich nicht. Dennoch gilt es den Experten zufolge nach wie vor, ein großes Potenzial auszuschöpfen.

Was ist Mobile Payment?

Mobile Payment (kurz: M-Payment) beschreibt die Möglichkeit, über ein mobiles Endgerät Geld auszutauschen. Mobile Endgeräte sind hier insbesondere Handys und Smartphones, aber auch Tablets können Gegenstand des M-Payments sein. M-Payment soll Experten zufolge früher oder später das Bargeld komplett ablösen, sodass auch Artikel im stationären Ladengeschäft über mobile Bezahlmethoden bezahlt werden. Wenn zwei Handys mit derselben Technologie zusammengebracht werden, können auch zwei Privatpersonen Geld über ihr mobiles Endgerät austauschen.

Mobil zu zahlen ist bereits seit einigen Jahren möglich, wobei sich anfänglich Premium-SMS und Mehrwertdienste mit der Abrechnung über die Telefonrechnung etablierten. Da diese jedoch weniger für Einkäufe in Onlineshops und vielmehr für Kleinstbeträge im Micropayment-Bereich geeignet sind, konnten sie sich nicht vollständig durchsetzen.

Trotz aller Widrigkeiten, die der Verbreitung von Mobile Payment bisher entgegenstehen, gehen Experten von einer stärkeren Verbreitung in der Zukunft aus. Eine Studie des Center for Payment Studies ergab beispielsweise eine sehr gute Zukunftsprognose. Den Experten zufolge könnte das Transaktionsvolumen an Zahlungen, die über Mobile Payment-Dienstleistungen abgewickelt werden, bis zum Jahr 2020 auf bis zu 1,8 Billionen Euro ansteigen könnte. Dies entspräche rund 40 Prozent des gesamten Handelsvolumens.

Befragt man die Händler zu ihren Prognosen, so ergibt sich ein gemischtes Bild. Gerade einmal ein Drittel der Händler geht davon aus, dass die Kunden überhaupt mobil bezahlen wollen. Auf ihre eigene Einschätzung hin befragt gab über die Hälfte der Händler an, dass sie für das Jahr 2015 einen mobilen Zahlungsanteil von unter 1 Prozent der insgesamt abgewickelten Zahlungen erwarten.

Software und Hardware für M-Payment

Bezüglich der Software konnte sich bisher kein Standard für das Mobile Payment herauskristallisieren. Der Markt ist in zig verschiedene Lösungen zerteilt, sodass es kaum möglich ist, einen Marktführer oder eine Lösung auszumachen, die sich fest etablieren wird. Auf der Suche nach Dienstleistungen, die für Händler und User gleichermaßen akzeptabel sind, wurden bereits verschiedene Initiativen gegründet, die sich die Etablierung eines europaweiten Standards im M-Payment-Bereich auf ihre Fahnen geschrieben haben (z. B. SEMOPS, ERGOSUM).

Wenn E-Payment-Verfahren genutzt werden sollen, wird softwareseitig eine Schnittstelle zum jeweiligen Payment-Anbieter benötigt. Über diese Schnittstelle werden die Daten übertragen, die für die Abwicklung einer Zahlung erforderlich sind. Solche Schnittstellen lassen sich meist aber über bereits vorprogrammierte Quellcode-Bausteine der Hersteller ganz einfach in die eigenen Webseiten integrieren.

Im Hardware-Bereich zeigt sich allmählich eine Entwicklung in Richtung NFC, das durchaus einen Status als Standard erreichen könnte. In den USA hat sich mit Google Wallet bereits ein Dienst etabliert, der auf dieser Basis arbeitet. In Deutschland haben es die Anbieter noch etwas schwerer, weil es noch relativ wenige Handys gibt, die den NFC-Standard integriert haben. Inzwischen finden sich aber auch hierfür Lösungen, nämlich NFC-Chips, die in eine selbstklebende Folie integriert sind und so auf jedes beliebige Handy aufgebracht werden können.

Es wurden zudem verschiedenste Add-on-Lösungen geschaffen, bei denen eine zusätzliche Hardware die Anschlüsse des Handys, meist die Audiobuchse, nutzt. Vertreter dieser Sparte sind beispielsweise Square, iZettle und payleven. iZettle ist eine spezielle Lösung, bei der ein Adapter mit 30 Pins an das Apple iPhone angeschlossen wird.

Sicherheitsaspekte

Verbraucher wünschen sich im Mobile Commerce insbesondere Sicherheit. Smartphones sind durchaus missbrauchsgefährdet, wenn keine entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden. Viele M-Payment-Lösungen sind besonders durch Trojaner gefährdet. Die vielen Schnittstellen der Handys (z. B. MMS, Infrarot, Speicherkarten) bieten eine breite Angriffsfläche für Schad- und Spähsoftware. Durch Trojaner können beispielsweise per SMS verschickte PIN-Nummern für einen Payment-Dienst ausgelesen werden. Schadsoftware hat außerdem die Möglichkeit, sich zwischen die Kommunikation zwischen Endgerät und Payment Service Provider (PSP) zu schieben. In diesem Fall simuliert sie Websites des eigentlichen Online Händlers und bewegt den Kunden dazu, seine Daten preiszugeben, ohne dass er es bemerkt.

Gefragt sind hier zunächst einmal die Nutzer von Smartphones. Es liegt in ihrer Hand, ihr Endgerät vor einem unbefugten Zugriff Dritter zu schützen. Mögliche Maßnahmen könnten z. B. sein:

  • aktuelle Antispyware und Virenscanner installieren (App)
  • keine Passwörter auf dem Handy speichern
  • niemals PIN-Nummern über SMS oder Messengerdienste übermitteln

Allerdings müssen auch die Anbieter von Mobile Payment geeignete Maßnahmen ergreifen, um die Sicherheit ihrer Technik zu gewährleisten. Eine inzwischen sehr verbreitete Möglichkeit für den vergleichsweise sicheren Datenaustausch über mobile Endgeräte nennt sich Near Field Communication (NFC). Es handelt sich dabei um einen Standard, bei dem in einem sehr kurzen Abstand von maximal 10 cm mit bis zu 424 kBit/s Daten übertragen werden können. Mobiler Handel wird dadurch insbesondere im Micropayment-Bereich sicher ermöglicht und bereits auch von Unternehmen im stationären Geschäft umgesetzt. Auch das Global Positioning System (GPS) vermag die mobile Zahlung für die Deutschen sicherer zu gestalten.

Die Anbieter können unter anderem auch verschiedene Wege nutzen, um eine individuelle Identifizierung des Nutzers vorzunehmen, beispielsweise indem die IMEI des Handys oder die Telefonnummer abgefragt wird. Spezielle Login-Systeme ermöglichen zusätzlich die eindeutige Identifikation des Users. Wie es auch schon im eCommerce üblich ist, muss zudem auch im Mobile Commerce zunehmend mit Zertifikaten gearbeitet werden, die sicherstellen, dass beide an einer Transaktion beteiligten Partner einwandfrei identifiziert werden können.

Bekannte M-Payment-Anbieter

Da es im M-Payment-Bereich noch an fest etablierten Größen fehlt, sollen im Folgenden einige der bisher bekanntesten Anbieter für Mobile Payment vorgestellt werden:

PayPal: PayPal ist im eCommerce eines der am häufigsten genutzten Bezahlsysteme. PayPal stellt hierfür Apps für das Smartphone zur Verfügung und setzt damit auf eine einfach zu bedienende Lösung, die mit Sicherheit viele Deutsche gerne annehmen werden. Mit PayPal kann nicht nur aus dem PayPal-Guthaben bezahlt werden, sondern auch über eine angegebene Kreditkarte, per Lastschriftverfahren oder über GiroPay.

Google Wallet: Google Wallet funktioniert auf Basis der NFC-Technologie. Der Nutzer hinterlegt die Daten für seine Kreditkarten und kann dann mittels Eingabe einer individuell zu vergebenden PIN mit den Karten bezahlen. Google Wallet hat insbesondere für Einkäufe im Play Store und im Micropayment-Bereich Bedeutung.

mpass: mpass ist ein Gemeinschaftsprojekt der Mobilfunkanbieter O2, Vodafone und Telekom, wobei auch die Nutzer anderer Mobilfunkanbieter die Zahlungsmethode nutzen können. Bei der Bezahlung via mpass müssen die Kunden zum einen ihre Handynummer und ihre mpass-PIN eingeben. Zusätzlich erhalten sie eine SMS mit einer TAN, die die Zahlung schließlich autorisiert. Dadurch wird die mpass-Zahlung vergleichsweise sicher. Das Verfahren nutzt ausschließlich das Lastschriftverfahren vom eigenen Bankkonto. Inzwischen arbeitet mpass teilweise auch mit der NFC-Technologie.

payleven: Um payleven nutzen zu können, benötigt der Nutzer einen Dongle, der auf das Smartphone aufgesteckt wird. Er nimmt die Karte auf und fungiert als Kartenleser. payleven ist eine einfache Möglichkeit für Händler, um mit ihrem Handy Kartenzahlungen von Kunden entgegenzunehmen.

iZettle: iZettle ist eine Bezahltechnologie, die speziell für Apple-Geräte geschaffen wurde. Sie kann auf iPhone, iPad und iPod genutzt werden und ist die Alternative zum in den USA verbreiteten Dienst Square, der von Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey entwickelt wurde. iZettle setzt auf die Kombination aus einer App und einem Kartenlesegerät, das MasterCard- und VISA-Kreditkarten einlesen kann.

Die Auswahl an Payment-Dienstleistern im Mobile-Payment-Bereich ist riesig. Weitere bekannte Anbieter sind:

  • SumUp
  • avpay
  • Computop
  • Paymentwall
  • Streetpay
  • Six Card Solutions / Saferpay
  • omba


  • Masterpayment
  • Adyen
  • mobuy
  • PayCash
  • Ordify
  • mPAY24
  • CommDoo


  • Cashlog
  • boku
  • Payworks / PAY.ON
  • TeleCash
  • Mopay
  • Orderbird

Arten von Zahlungsverfahren

Im Mobile Payment lassen sich ebenso wie im eCommerce verschiedene Arten von Zahlungsverfahren unterscheiden:

Verfahren Funktionsprinzip Beispiele
Mobiltelefon-basiert Beim Mobiltelefon-basierten Verfahren wird ein Smartphone oder Handy in den Zahlungsprozess integriert. Dabei wird das Mobiltelefon vor dem Transfer der Buchungsinformationen verwendet, um den User zu authentifizieren. Diese Authentifizierung kann über verschiedene Wege erfolgen, beispielsweise über den Empfang einer SMS vom Zahlungsanbieter oder über einen Zahlencode. Bei manchen Anbietern muss sich der Kunde erst registrieren, bei wieder anderen übernimmt dies der Händler. mpass, Google Wallet, allpay, Street Cash, Handypay
E-Mail-basiert Beim E-Mail-basierten Verfahren registriert sich der User mit seiner E-Mail-Adresse und verifiziert sein Bankkonto durch eine winzige Testgutschrift. Mit der E-Mail-Adresse wird schließlich ein Referenzkonto verknüpft, über das alle Transaktionen abgewickelt werden können. Bei der Zahlung in einem Onlineshop gibt der Kunde seine E-Mail-Adresse sowie ein geheimes Passwort ein, um sich zu identifizieren. PayPal, Moneybookers, Anypay
Wertkarten-basiert Bei Wertkarten handelt es sich um Karten, die mit einem Guthaben versehen sind. Die Nutzer kaufen sie überwiegend im stationären Ladengeschäft, z. B. an Tankstellen oder Kiosken. Bei der Nutzung geben sie einen Code ein, der auf der Karte abgedruckt ist und zusätzlich ein bestimmtes Kennwort. Nach erfolgreicher Authentifizierung wird der Zahlbetrag vom Guthaben abgebucht. Die Zahlung per Wertkarte erfolgt völlig anonym. GeldKarte, paysafecard, MicroMoney
Inkasso/Billing Beim Inkasso- und Billing-Verfahren sammelt ein Inkassounternehmen oder ein entsprechend spezialisiertes Unternehmen verschiedenste Zahlungen im Auftrag des Händlers und zahlt diese in regelmäßigen Abständen gesammelt an den Händler aus. ClickandBuy, iclear, Dialer-Verfahren, Premium-SMS

Abgrenzung Micro- und Macropayment

Im Zusammenhang mit Mobile Payment tauchen immer wieder die Begriffe Micropayment und Macropayment auf. Die Literatur hat hierfür verschiedene Definitionen geprägt. Unter Micropayment versteht man das Bezahlen von sehr kleinen Beträgen, während Macropayment durch größere Beträge gekennzeichnet ist. Am häufigsten hört man von der Einteilung:

  • Micropayment: Beträge bis zu 10 Euro
  • Macropayment: Beträge größer als 10 Euro

Allerdings gibt es auch abweichende Definitionen, bei denen Macropayment erst ab Beträgen von mehreren hundert Euro angenommen wird. Teilweise wird zusätzlich auch von Pikopayment gesprochen, das Zahlbeträge von unter 1 Euro umfasst.

Die Unterscheidung zwischen Micropayment und Macropayment ist insbesondere dann wichtig, wenn es um die Beurteilung der Wirtschaftlichkeit einer Bezahlmethode geht. Bezahlmethoden sind gewöhnlich mit fixen Grundgebühren sowie variablen Gebühren pro Bezahlvorgang behaftet. Wenn ein Händler Waren mit einem sehr geringen Wert verkauft (z. B. Download- und Aboprodukte), kann es passieren, dass die Gebühren für den Bezahlvorgang den Wert des Produkts übersteigt oder den Gewinn „auffrisst“. Die Gebührenproblematik besteht zwar auch beim Macropayment, allerdings ist sie hier nicht annähernd so schwerwiegend. Im Micropayment greift man daher auf bestimmte Anbieter zurück, die sich auf diesen Bereich spezialisiert haben. Dazu gehören unter anderem:

  • Prepaid Kreditkarten (z. B. WireCard)
  • mobiles Micropayment (z. B. mpass, PayPal)
  • klassisches Micropayment (z. B. PayPal, Paysafecard, Sofortüberweisung)

Kriterien für die Auswahl von M-Payment-Systemen

Händler, die ein M-Payment-System benötigen, sollten bei der Auswahl einige Kriterien beachten, um die für sie am besten passende Lösung auszuwählen. Folgende Fragen sollten sich Händler stellen:

  • Wie verbreitet ist die Zahlungsmethode und wie viele Kunden werden sie tatsächlich nutzen können?
  • Welche Bezahlmethode bevorzugt die Zielgruppe?
  • Kann die Lösung technisch im Onlineshop umgesetzt werden?
  • Werden tendenziell eher Zahlungen im Micro- oder Macropayment-Bereich abgewickelt?
  • Wie hoch fallen die Fixkosten/Grundgebühren aus?
  • Welche wiederkehrenden Kosten oder Gebühren pro Transaktion fallen an?
  • Welche Möglichkeiten zur Automatisierung einer Zahlung bestehen?
  • Besteht ein Schutz vor Zahlungsausfällen und wie hoch ist das Risiko?
  • Wie lange dauert es, bis der Zahlbetrag beim Händler eingeht?
  • Kann die Bezahlmethode anonym genutzt werden?
  • Besteht die Möglichkeit, Abonnements abzurechnen, also wiederkehrende Zahlungen abzuwickeln?
  • Kann der Payment-Anbieter auch Zahlungen von Kunden aus dem Ausland entgegennehmen?
  • Welche zusätzlichen Dienstleistungen bietet der Payment-Anbieter (z. B. Kunden-Scoring, Betrugsprävention, Rücklastschrift-Schutz, Forderungsmanagement)?

Anhand der Antworten auf diese Fragen können Online-Händler Schritt für Schritt ermitteln, welche Zahlungsverfahren für sie am besten geeignet sind.

Rechtliche Grundlagen beim M-Payment

Beim Mobile Payment kommen im Grunde genommen drei verschiedene Verträge zustande:

  • zwischen Verkäufer und Käufer: der Kaufvertrag, aus dem der Verkäufer die Lieferung der Ware und der Käufer die Zahlung schulden
  • zwischen Verkäufer und Payment-Anbieter: Vertrag, mit dem sich der Payment-Anbieter zur Auszahlung des Zahlbetrags des Kunden und der Verkäufer zur Entrichtung der vereinbarten Gebühren verpflichten
  • zwischen Käufer und Payment-Anbieter: Vertrag, mit der Verpflichtung des Payment-Anbieters, den Zahlbetrag an den Verkäufer auszuzahlen

Die Leistung eines M-Payment-Anbieters ist in Deutschland als „Fernabsatzvertrag über Finanzdienstleistungen“ einzustufen. Damit gehen zahlreiche Informationspflichten einher. Neben den üblichen Informationspflichten, die bei Fernabsatzverträgen ohnehin bestehen (z. B. Widerrufsbelehrung), müssen die Dienstleister unter anderem zusätzlich darüber informieren, wie viel die Leistung kostet und wie Streitigkeiten außergerichtlich geschlichtet werden können.

Ein großer rechtlicher Bereich im M-Payment ist außerdem der Datenschutz. Im Rahmen der Zahlungsabwicklung wird eine Vielzahl an Informationen gesammelt, von persönlichen Daten wie Adresse und Bankverbindung bis hin zu Telefonnummern oder dem Kaufverhalten des Kunden. Sowohl der Händler als auch der M-Payment-Anbieter müssen daher den Datenschutz einhalten. Dies bedeutet in der Praxis insbesondere, dass der Kunde der Datenverarbeitung zustimmen muss. Zu diesem Zweck muss er darüber informiert werden, welche Daten erhoben, gespeichert und wie verarbeitet werden. Zusätzlich müssen alle beteiligten Partner dafür sorgen, dass jeder nur auf die Daten Zugriff erhält, die er für seine Leistungserbringung benötigt. Dem Kunden muss die Möglichkeit eingeräumt werden, diese Informationen jederzeit erneut abzurufen, um ggf. die weitere Nutzung untersagen zu können.

Falls entweder der Händler selbst oder aber der M-Payment-Anbieter eine Bonitätsprüfung hinsichtlich des Kunden durchführen möchte, muss er nicht nur ein berechtigtes Interesse nachweisen (das im Regelfall durch das Interesse am Erhalt der Zahlung bereits vorliegt), sondern auch in der Datenschutzerklärung diese Möglichkeit vorsehen.

Anforderungen der Händler und Kunden an M-Payment-Verfahren

M-Payment-Verfahren müssen verschiedensten Anforderungen genügen, sowohl von Seiten der Händler als auch von den Kunden. Die Praxis hat gezeigt, dass niemals beide Seiten gleichermaßen zufriedengestellt werden können, weshalb es hier wichtig ist, einen guten Mittelweg für die Zukunft zu finden. Der User wünscht sich insbesondere eine einfach zu bedienende und sehr sichere Payment-Lösung, die auf dem Smartphone und Handy genutzt werden kann. Für Händler hingegen stehen eine einfache Integration des Systems, ein kostengünstiger Service für Micro- und Macropayment sowie eine hohe Akzeptanz im Vordergrund.

Die Anforderungen von Händlern und Kunden an ihr Bezahlsystem lassen sich folgendermaßen zusammenfassen:

Anforderungen der Händler Anforderungen der Kunden
  • Zahlungssicherheit
  • geringe fixe Kosten
  • geringe transaktionsabhängige Gebühren
  • einfache Umsetzung / Integration
  • einfache Registrierung
  • einfache Integration in bestehende Technik/Gerät
  • hohe Verbreitung / Akzeptanz
  • keine technischen Vorkenntnisse notwendig
  • Internationalität / internationale Verbreitung des Verfahrens
  • Schutz vor Zahlungsausfällen
  • Durchgängigkeit des Bezahlprozesses ohne Verzögerungen / ohne Medienbruch
  • Möglichkeit der Abwicklung von wiederkehrenden Zahlungen
  • schnelle Abwicklung von Zahlungen
  • Datenschutz/Datensicherheit
  • Sicherheit in der Zahlungsabwicklung
  • Schutz vor Manipulationen Dritter
  • transparente / einfache Ausgabenkontrolle
  • einfache Bedienung
  • einfache Registrierung
  • hohe Verbreitung / Akzeptanz
  • Absicherung durch externe Dienstleister
  • keine technischen Vorkenntnisse nötig
  • Login mit Sicherheitscode
  • Benutzerfreundlichkeit
  • Anonymität
  • keine Haftung bei Missbrauch
  • Nachvollziehbarkeit durchgeführter Transaktionen
  • kostenfreie Nutzung

Insbesondere das Problem der Akzeptanz ist zu einem zentralen Thema im Bereich des Mobile-Payment geworden. Seit Jahren kann sich kein Anbieter von M-Payment-Diensten wirklich durchsetzen. Der Markt ist in zahlreiche Dienstleister zersplittert, deren Lösungen teilweise auf unterschiedlichsten Technologien beruhen. Eindeutige Favoriten – wie beispielsweise PayPal und Sofortüberweisung im eCommerce – hätten den Vorteil, dass es einerseits viele Händler gäbe, die die Zahlung über einen bestimmten Anbieter akzeptieren, andererseits aber auch viele Nutzer, die sie nutzen. Im M-Payment gibt es nun jedoch viele Anbieter, deren Dienstleistungen zwar durchaus genutzt werden, aber keinen gemeinsamen Nenner bieten. Selbst wenn sich ein Nutzer bei drei oder vier Diensten anmeldet, kann es ihm immer noch passieren, dass er auf einen mobilen Onlineshop trifft, in dem diese nicht angeboten werden.

Risikomanagement im Mobile Payment

Ebenso wie im normalen eCommerce gibt es auch im mobilen Business Menschen, die ihre Schulden entweder verzögert oder gar nicht begleichen. Ob es nun eine Zahlungsstörung oder ein Zahlungsausfall ist, in beiden Fällen entstehen Kosten, die das Unternehmen unwirtschaftlicher arbeiten lassen. Die meisten Zahlungsstörungen resultieren aus falschen Angaben des Kunden (egal ob versehentlich oder mit Vorsatz). Falsche Adressen, fehlerhafte Bankverbindungen oder eine nicht existente Kreditkartennummer machen die Abwicklung einer Zahlung unmöglich. Es bestehen aber durchaus Möglichkeiten, um die bargeldlose Zahlung für den Händler sicherer zu gestalten und Zahlungsstörungen sowie -ausfälle zu vermeiden:

Genaue Beschreibung der Waren: Waren sollten möglichst exakt beschrieben und fotografiert werden. So können Retouren aufgrund mangelnder Eignung der Ware vermieden werden.

Tatsächlich existente Kreditkarte: Ob eine Kreditkartennummer korrekt und die Kreditkarte noch gültig ist, lässt sich einerseits über die erste Ziffer der Kreditkartennummer überprüfen, die für die zugehörige Kreditkartengesellschaft steht. Zusätzlich bieten die enthaltene Kontrollziffer und das eingegebene Ablaufdatum der Kreditkarte eine Möglichkeit zur Kontrolle.

Korrekte Bankverbindung: Ob eine Bankverbindung tatsächlich existiert, kann auf die Schnelle nicht überprüft werden. Allerdings erhalten Kontonummern eine Prüfziffer, anhand derer nachvollzogen werden kann, ob die Anzahl der Stellen der Kontonummer zur eingegebenen Bankleitzahl passt.

Vollständige Rechnung: Insbesondere Geschäftskunden, die die Vorsteuer aus einer Rechnung ziehen möchten, benötigen eine Rechnung mit den Pflichtangaben gemäß § 14 Abs. 4 i.V.m. § 14a Abs. 5 UStG. Rechnungen sollten von vornherein diesem Schema entsprechend ausgestellt werden, um unnötige Rückfragen zu vermeiden.

Plausible Adressangaben: Mittels automatisierter Überprüfungen kann unverzüglich nach der Eingabe validiert werden, ob die eingegebenen Adressdaten vollständig und korrekt sind. Software von Drittanbietern ermöglicht es zu ermitteln, ob eine eingegebene Straße zur Postleitzahl passt oder ob die korrekte Anrede gewählt wurde. Es gibt sogar Dienste, die einen Abgleich des eingegebenen Namens mit der Adresse anbieten.

Regelmäßige Zwischenberichte: Der Händler sollte mit seinen Kunden stets in Kontakt bleiben, um ihm ein Gefühl der Sicherheit zu geben. Häufig kommt es vor, dass Lastschriften oder andere Zahlungen vorzeitig zurückgegeben werden, weil die Kunden die Abbuchung nicht zuordnen können. Eine Ankündigung der Abbuchung per E-Mail kann hier hilfreich sein.

Aussagekräftige Informationen in der Abbuchung: Häufig tauchen auf Kreditkartenabrechnungen oder auf dem Kontoauszug bei einer Abbuchung nur irgendwelche unverständlichen Kürzel oder aber ein von der Shop-URL abweichender Firmenname auf. Hier sollte darauf geachtet werden, dass der Kunde diese Angaben mit seiner Internet-Bestellung in Verbindung bringen kann.